Wildnispädagogik

Die Wurzeln der klassischen Wildnispädagogik liegen im Wissen indigener Völker Nordamerikas (Turtle Island). An dieser Stelle ist besondere Vorsicht geboten, um nicht durch kulturelle Aneignung koloniale Gewalt zu wiederholen. Bei genauerer Betrachtung wiederholen sich oftmals Kernelemente der Lehren indigener Jäger- und Sammler-Kulturen aller Erdteile und dem Wissen darum, was die Grundlagen eines gesunden und verbundenen Lebens mit der Natur, der Gemeinschaft und sich selbst sind. Dies möchten wir zum Vorbild nehmen, ohne uns an den Schätzen anderer Kulturen zu bereichern. Diese Dekolonialisierung ist ein “work in progress”, wir arbeiten daran!

Ich spiele lieber drinnen, weil da die ganzen Steckdosen sind.<span class="su-quote-cite">Viertklässler aus Das letzte Kind im Wald, Richard Louv (Herder, 2011)</span>

In unseren wildnispädagogischen Angeboten sollen Kinder und Jugendliche zunächst dort abgeholt werden, wo sie stehen. Es wird ein Raum geschaffen, indem wieder Faszination für die Natur entflammen kann, bei jeder* und jedem* auf die eigene Weise. Diese intrinsischen Faszination legt den Grundstein für ein wichtiges Lernziel: Verbindung mit der Natur, im Gruppengefüge und zu sich selbst. Ist diese Basis gelegt, kann es richtig losgehen. Abenteuer und Leidenschaft für das, was man tut, helfen spielerisch und fast unbemerkt auch dabei mehr über natürliche Zusammenhänge zu lernen.

Durch Bewegungsspiele und Aktionen zur Schärfung der Sinne können zunächst alle wieder besser –oder überhaupt– ihren Körper wahrnehmen. Ein weiteres Kernelement sind kleine, sich wiederholende Rituale, was den Fokus und die Zugehörigkeit in der Gruppe stärkt und eine positive Lernatmosphäre schafft. Den Inhalten sind in Bezug darauf, etwas über die
Natur zu lernen (und nebenbei so viel mehr) kaum Grenzen gesetzt:

Spuren lesen, Pflanzenkunde und den Umgang mit essbaren- und nicht-essbaren Wildpflanzen, Vogelsprache und Vogelerkennung, altes Handwerk wie z.B. Glutbrennen, Schnitzen, alles was sich um das Thema Feuer dreht, Aktionsspiele und Sinnesschärfung und viele andere Inhalte machen vor allem eins: Spaß!

Mit dem Coyote-Teaching bekommen Kids selbst die Möglichkeit Antworten zu finden. Um die Lernziele im Programm von Erdumdrehung zu erreichen, erfüllt das Lernfeld der Wildnispädagogik unter anderem das wichtige Element der Erdung und Naturverbindung.

Dies ergänzt sich hervorragend mit dem Lernfeld des Globalen Lernens, indem es herausfordernd ist komplexe globale Missstände so herunterzubrechen, dass es auf das eigene Leben und Handeln bezogen werden kann, ohne sich ohnmächtig zu fühlen. Wie kann man dies jemandem ans Herz legen, wenn noch nicht einmal eine Verbindung zu der hiesigen natürlichen Welt existiert? Die Wildnispädagogik hilft!